Gräber, Mumien und Schreiben in der Wüste

„Wer sich dem Schreiben von Geschichten verschrieben hat, der macht keinen Urlaub, sondern recherchiert.“ Ob das wirklich für alle gilt, kann ich nicht sagen, aber als ich mich in den alten Tempeln und Gräbern Ägyptens herumtollte, ratterte es tatsächlich in meinem Kopf. Zwei Wochen schipperte ich mit meiner Frau Marie die Lebensader des Landes entlang und nahm so ziemlich jede erreichbare Sehenswürdigkeit mit, die sich uns darbot. Umgeben von jahrtausendealten Ruinen, die sowohl durch ihre Größe als auch ihre bis heute erhaltene Pracht nachhaltig beeindrucken, fällt es einem wirklich schwer, sich nicht inspirieren zu lassen. Egal, wo man hinsieht, man ist umgeben von Hieroglyphen. Überall ist Schrift, sind Geschichten. Kein Wunder, dass das Land am Nil zum Inbegriff von Mythen und Sagen avancierte.

Freche Ideen

Manche Ideen sind einfach nur praktisch, fügen sich in das aktuelle Konzept ein und tun brav ihren Dienst. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn ich an neuen Geschichten schreibe, plane ich so ziemlich jedes Detail im Voraus, bevor ich mich an das richtige Manuskript setze. Während meines Urlaubs musste ich mich aber mit Ideen auseinandersetzen, die sich frech dazwischenschoben und mit einer nie gekannten Dreistigkeit einfach alles durcheinandergewirbelt haben. Was für ein Ärger! All die Planung war für die Katz, denn leider waren diese tolldreisten Geistesblitze zwar unerwartet, allerdings nicht unerwünscht. Sie verlangten mit Nachdruck danach, in das aktuelle Werk eingebunden zu werden. Und nach ein wenig Geschiebe und Gedrücke, dem massivem Einsatz von Hirnschmalz und einem anschließendem echt üblen Denkkater war es geschafft: Die Pharaonen haben ihren Weg in die Geschichte gefunden. Damit hatte ich zwar nicht gerechnet, aber ganz ehrlich? Schreiben in der Wüste hat etwas.

Schreiben mit dem Sonnenaufgang

Von unserem Kabinenfenster aus konnten wir auf den Nil hinaus blicken. Was also konnte es Schöneres geben, als mit der Sonne aufzustehen und mit einem verträumten Blick auf den längsten Strom der Welt an ein paar Sätzen zu feilen? Klar, man soll im Urlaub abschalten, aber wenn man Geschichten nicht zu Papier bringt, tanzen sie einem zuerst im Kopf und später auf der Nase herum. Besser, man bändigt sie gleich am Anfang, bevor sie für ein Halsband zu groß und wild werden.

Auf den Spuren Agatha Christies

Natürlich hatte ich auch mehr als genug Freizeit, die ich gerne mit guten Büchern verbracht habe. Wusstet ihr, dass Agatha Christie ihren Krimi „Der Tod auf dem Nil“ damals aus Langeweile geschrieben hat, weil ihr Mann beruflich mit Ausgrabungen beschäftigt war? Im Hintergrund dieses Fotos seht ihr das Hotel „Old Cataract“, wo die bekannte Schriftstellerin innerhalb von drei Monaten ihren Helden Hercule Poirot auf die Jagd nach Mördern schickte. Für mich war es ein wahres Vergnügen, das Buch nicht nur am Ort der Handlung, sondern auch am Entstehungsort zu lesen. Andere richten sich beim Sonnenbaden halbstündlich nach dem Himmelsball aus, ich vergnüge mich gerne bei Schatten und einem guten Espresso mit spannender Lektüre. Übrigens wurde auch der Film (ich habe ihn noch nicht gesehen) ebenfalls vor dem „Old Cataract“ gedreht. Ich werde ihn mir demnächst ansehen, vielleicht erkenne ich ja ein paar Ecken wieder?

 

By |2018-10-25T15:22:29+00:00Oktober 25th, 2018|Schreiben|0 Comments

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